„Sabine, was hast du?“ fragte ich erschrocken und stellte mein Mineralwasser ab. Es war mild perlend, so stand es auf dem Etikett.
Angewidert löste sie die Zähne aus dem Brötchen und fuchtelte aufgeregt mit der Hand vor dem Gesicht herum. „Huuuhhh, ist das scharf!“
Ich war bei Sabine zum Frühstück eingeladen. Wir hatten uns lange nicht mehr gesehen. Sie las vor, was auf der Packung stand: „Frischkäsezubereitung mit Paprika und Chili. Um Himmels Willen, sowas isst du?“
„Ich sollte doch ‘nen Frischkäse mitbringen. Da dachte ich, ich nehme einen mit Geschmack. Eigentlich ess ich sowas nicht.“
„Kein Wunder, da brennt einem ja alles weg.“
Wir saßen in der Küche. Sie bestrich ihr Brötchen mit Quark und legte ein Gürkchen drauf. Ich griff in den Brotkorb und ließ meinen Blick über den Tisch schweifen. Ein milder Brotaufstrich mit Avocado und Aloe Vera stand neben zwei Bechern Joghurt (mild), direkt vor mir ein Glas mit Honig, auch mild. Ich war unschlüssig. Sie reichte mir die Margarine, Joghurtbakterien tummelten sich darin, zum Glück milde. Ich griff zur Marmelade. Auf dem Etikett fehlte der vertrauenserweckende Zusatz. Das warf Fragen auf. Ein Produktionsfehler? War die Marmeladenindustrie noch nicht so weit? Beherzt stach ich das Messer ins rote Mus — fest entschlossen, es drauf ankommen zu lassen.
